Bericht zur Finanzierung der ADF durch Goldschmuggel

Die „Allied Democratic Forces“ (ADF), auch bekannt als Islamischer Staat Zentralafrikanische Provinz (ISCAP), sind seit Mitte der 1990er Jahre im Osten der DR Kongo aktiv. Der Bericht der Organisation The Sentry untersucht insbesondere die Faktoren, die es der Gruppe ermöglicht haben, sich dauerhaft in der Region zu etablieren. Die anhaltende Präsenz der ADF hat schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung. Die Gruppe ist für die größte Zahl von Tötungen von Zivilist:innen im Osten der DR Kongo verantwortlich und war 2025 die zweittödlichste nichtstaatliche bewaffnete Gruppe weltweit. 

Der Recherche von The Sentry zufolge war die ADF lange Zeit auf Finanzmittel des sogenannten Islamischen Staates im Irak und in der Levante angewiesen. Im Jahr 2024 verhängten die USA jedoch Sanktionen gegen Vermittler zwischen beiden Organisationen. Die ADF musste daraufhin eigene Finanzierungsquellen ausbauen. Den größten Anteil ihrer Einnahmen erzielt die Gruppe laut dem Bericht heute durch Goldschmuggel. Weitere Einnahmen stammen aus dem Schmuggel von Kakao, Schutzgeldern und Entführungen. 

Der Goldschmuggel konzentriert sich auf einen Korridor, der den Norden der Provinz Nord-Kivu, den Süden der Provinz Ituriund den Osten der Provinz Tshopo umfasst. Von dort wird das Gold illegal nach Uganda gebracht. The Sentry schätzt, dass die ADF allein aus den Goldvorkommen im Gebiet Manguredjipa jährlich zwischen einer und 1,6 Millionen US-Dollar erzielen könnte. Dieses System stützt sich auf Netzwerke erzwungener Zusammenarbeit, an denen Händler:innen, Transportunternehmen und Vermittler:innen in ländlichen und städtischen Gebieten beteiligt sind. Dadurch kann die ADF ihre Mobilität aufrechterhalten und sich in die breitere Konfliktwirtschaft im Osten der DR Kongo einbinden. 

Auch organisatorisch habe sich die Gruppe an den militärischen Druck angepasst. Ein Großteil ihrer Mitglieder wurde nach Angaben des Berichts entführt und zwangsrekrutiert.  Nach Militäroperationen der kongolesischen und ugandischen Armee zersplitterte die ADF in mehrere kleinere Gruppen, die sich auf unterschiedliche Gebiete verteilten. Das erschwert das militärische Vorgehen gegen die Gruppe, da die Sicherheitskräfte an mehreren Schauplätzen gleichzeitig gefordert sind. Zudem ist die ADF in Regionen aktiv, die gleichzeitig vom Konflikt zwischen der kongolesischen Regierung und der AFC/M23 betroffen sind. Der Bericht identifiziert zwar keine direkte Zusammenarbeit zwischen den Gruppen. Er verweist jedoch darauf, dass die ADF von der Konzentration staatlicher Sicherheitsmaßnahmen auf die AFC/M23 profitiere. 

The Sentry sieht die militärische und finanzielle Anpassungsfähigkeit der Gruppe als einen zentralen Grund für ihre anhaltende Präsenz. Der Bericht befasst sich außerdem mit der Operation „Shujaa“ der ugandischen Streitkräfte gegen die ADF. Diese sei nur teilweise erfolgreich gewesen. Als Grund wird eine Verschiebung der Prioritäten der Mission genannt. Ursprüngliche Sicherheitsziele seien zunehmend von wirtschaftlichen Interessen Ugandas in der Region überlagert worden. Insbesondere habe sich die Operation von der ugandischen Grenze entfernt und konzentriere sich verstärkt auf Gebiete, über die wichtige Handelsströme nach Uganda verlaufen. 

Der Bericht ist auf Englisch bei The Sentry erschienen.