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DR Kongo: Kakaoboom fördert Schmuggel und Abholzung im Osten
Kakao hat sich in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt. Besonders rund um Beni breiten sich Kakaoplantagen aus, da die Bohnen deutlich höhere Preise erzielen als viele traditionelle Agrarprodukte. Für zahlreiche Kleinbäuer:innen bedeutet der Anbau ein wichtiges Einkommen für Schulbildung, medizinische Versorgung und Investitionen.
Der Boom hat jedoch erhebliche soziale und ökologische Folgen. Immer mehr Flächen werden für Kakaoplantagen genutzt, während traditionelle Nutzpflanzen wie Maniok und Bohnen zurückgedrängt werden. In der waldreichen Provinz Ituri werden zudem große Waldflächen gerodet. Die Ausweitung der Plantagen verschärft zugleich Landkonflikte zwischen ansässigen Bevölkerungsgruppen und Zugewanderten aus Nord-Kivu.
Auch der Kakaohandel ist von den Strukturen der Kriegswirtschaft geprägt. An der Grenze zu Uganda wird ein Teil der kongolesischen Produktion nicht ordnungsgemäß deklariert und illegal über die Grenze gebracht. Händler profitieren dabei von niedrigeren Abgaben und besseren Verkehrswegen in Uganda. Nach Angaben des kongolesischen Agrarproduktamts sind auch staatliche Akteure und Sicherheitsbehörden in den Schmuggel verwickelt.
Die Kakaoregionen Nord-Kivus und Ituris sind zugleich vom Konflikt mit der bewaffneten Gruppe ADF (Allied Democratic Forces) geprägt. Bauern können ihre Felder in umkämpften Gebieten teilweise nicht bewirtschaften; zugleich kommt es häufig zu Diebstählen von Kakaobohnen. Die Liberalisierung des Kakaohandels hat die Zahl der Händler :innen erhöht und die Kontrolle über die Lieferketten erschwert.
Die kongolesische Regierung setzt dennoch auf weiteres Wachstum: Die Kakaoproduktion soll nach offiziellen Plänen bis 2030 von rund 100.000 Tonnen im Jahr 2024 auf drei Millionen Tonnen steigen. Damit könnte die DR Kongo zum weltweit größten Kakaoproduzenten werden. Gleichzeitig stellt der wachsende Exportsektor das Land vor die Herausforderung, wirtschaftliche Chancen mit dem Schutz der Wälder, fairen Handelsbedingungen und der Vermeidung von Konflikten zu verbinden.
Der Artikel dazu ist auf Deutsch in der taz erschienen.