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DR Kongo: Human Rights Watch wirft präsidentennahem Sicherheitsdienst Verschleppungen in Kinshasa vor
Ein neuer Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Nationalen Rat für Cyberabwehr (CNC) in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Der am 10. März 2026 veröffentlichte Bericht dokumentiert Dutzende Fälle mutmaßlicher Verschleppungen in der Hauptstadt Kinshasa.
Der CNC wurde vor zwei Jahren von Präsident Félix Tshisekedi gegründet, um staatliche Aktivitäten im Bereich Cyberabwehr und Cybernachrichtendienst zu koordinieren. Laut Human Rights Watch soll der Dienst jedoch zunehmend von diesem Auftrag abgewichen sein und stattdessen gegen politische Gegner und Regierungskritiker vorgehen.
Lewis Mudge, Direktor für Zentralafrika bei HRW und Mitautor des Berichts „Welle von Verschleppungen in Kinshasa“, berichtet von zahlreichen Festnahmen ohne rechtliche Grundlage. Betroffene würden häufig nicht – wie es die kongolesische Verfassung es vorsieht – einem Richter oder Staatsanwalt vorgeführt. Stattdessen sollen einige in privaten Häusern festgehalten worden sein, teilweise über Wochen oder sogar Monate.
Nach Angaben der Organisation wurde vielen der Festgenommenen der Zugang zu Anwälten verweigert, ebenso wie der Kontakt zu ihren Familien. Angehörige berichteten, dass sie trotz intensiver Suche und offizieller Anfragen bei Behörden keine Informationen über den Verbleib ihrer Familienmitglieder erhalten hätten.
HRW sieht hinter den Festnahmen häufig einen politischen Hintergrund. Viele der Betroffenen seien Oppositionelle, Regierungskritiker oder Personen, denen Unterstützung für den ehemaligen Präsidenten Joseph Kabila oder Verbindungen zur Rebellenbewegung M23 vorgeworfen würden. Die Organisation fordert die kongolesischen Behörden auf, die Vorwürfe unabhängig zu untersuchen und rechtswidrig festgehaltene Personen freizulassen.
Der Artikel ist auf Französisch bei rfi Afrique erschienen.