Burundi: Junge Menschen wandern nach Dubai aus

Immer mehr burundische Jugendliche – darunter auch zahlreiche Beamt:innen – verlassen das Land und suchen Arbeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten, vor allem in Dubai. Sie hoffen dort auf bessere Arbeitsmöglichkeiten und ein höheres Einkommen. Viele stellen jedoch fest, dass die Lebensbedingungen vor Ort deutlich härter sind als erwartet: hohe Lebenshaltungskosten, lange und strenge Arbeitszeiten, sehr teure medizinische Versorgung sowie zusätzliche Gebühren, die ihnen vor der Abreise nicht offengelegt wurden. 

Ein ehemaliger Krankenpfleger und Beamter aus der Region Gitega berichtet, er ist in Burundi trotz fester Anstellung kaum über die Runden gekommen. Hohe Lebenshaltungskosten, geringe Löhne und steigende Preise führten dazu, dass er keine Ersparnisse bilden konnte. In Dubai verdient er als Motorradkurier zwar deutlich mehr und kann monatlich Geld zurücklegen, doch die Umstände sind hart. Viele Migrant:innen müssen sich Betten in überfüllten Zimmern teilen und greifen aus Kostengründen auf Selbstmedikation zurück.

Der massive Exodus junger Burundier:innen hat tiefere strukturelle Ursachen. Laut dem Ökonomen Faustin Ndikumana befindet sich Burundi in einer Phase der „Stagflation“ – einer Kombination aus hoher Inflation, wirtschaftlicher Stagnation, Arbeitslosigkeit und sinkender Kaufkraft. Rund 75 % der Bevölkerung sind junge Menschen, die kaum Zugang zu Arbeitsplätzen haben. Hinzu kommen ein schwaches Investitionsklima, veraltete Infrastruktur, ein unzureichendes Bildungssystem und weit verbreitete Korruption. Die Armutsrate wird auf etwa 80 % geschätzt.

Die Abwanderung betrifft zunehmend auch qualifizierte Fachkräfte und Beamt:innen, was die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Dienstes beeinträchtigt. Viele Stellen bleiben unbesetzt, Dienstleistungen verlangsamen sich, und die Verwaltung verliert an Effizienz. Ndikumana warnt, dass dieser Verlust an Arbeitskräften einen Teufelskreis verstärkt: Eine geschwächte, politisierte Verwaltung kann die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen des Landes immer weniger bewältigen, was wiederum noch mehr Menschen zur Auswanderung treibt.

Der Artikel ist auf Französisch bei iwacu erschienen.

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