Human Rights Watch warnt vor Zunahme von konfliktbezogener sexueller Gewalt im Osten der DR Kongo

In der östlichen DR Kongo hat sich die Lage der Zivilbevölkerung dramatisch verschlechtert, weil sexuelle Gewalt im Kontext des anhaltenden bewaffneten Konflikts stark zugenommen hat und zugleich die Unterstützung für Überlebende drastisch gesunken ist. Human Rights Watch und die kongolesische Frauenrechtsorganisation SOFEPADI stellen fest, dass bewaffnete Gruppen – darunter mindestens fünf nicht-staatliche Rebellengruppen sowie Teile der kongolesischen Armee – sexuelle Gewalt gezielt als Kriegswaffe einsetzen, insbesondere in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. 

Die Ausweitung der Kämpfe und eingeschränkter Zugang zu Gesundheits- und Unterstützungsdiensten haben es für Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, zunehmend erschwert, lebenswichtige Hilfe zu erhalten. Viele Kliniken, die grundlegende Versorgung und psychosoziale Betreuung anbieten, wurden geschlossen oder sind kaum funktionsfähig. Eine zentrale Ursache für die verschlechterte humanitäre Situation ist der erhebliche Rückgang der internationalen Hilfsfinanzierung, vor allem durch die USA. 

Hinzu kommt ein Klima der Straflosigkeit: Verantwortliche Akteure – sowohl in bewaffneten Gruppen als auch innerhalb der kongolesischen Sicherheitskräfte – werden selten zur Rechenschaft gezogen. Die Justizstruktur ist vielerorts nicht funktionsfähig, besonders in Gebieten, die von Rebellengruppen kontrolliert werden, was die Aussicht auf Gerechtigkeit für Überlebende weiter minimiert. 

Nach Angaben des United Nations Population Fund wurden zwischen Januar und September 2025 über 80 000 Fälle von Vergewaltigungen in Ostkongo dokumentiert – ein Anstieg von circa 32 % im Vergleich zum Vorjahr, was die dramatische Zunahme sexueller Gewalt unterstreicht. Die humanitären Folgen für Betroffene und Gemeinden sind tiefgreifend: Überlebende müssen nicht nur schwere körperliche und psychische Traumata verarbeiten, sie stehen auch häufig unter sozialer Stigmatisierung. Der mangelnde Zugang zu umfassender Gesundheitsversorgung verschärft gesundheitliche Risiken und behindert die langfristige Genesung. 

Human Rights Watch fordert in ihrem Bericht, dass die kongolesische Regierung und die Streitkräfte Disziplinarmaßnahmen und Schutzmechanismen verstärken, um sexuelle Gewalt zu verhindern und strafrechtlich zu verfolgen. Gleichzeitig sollten internationale Partner und Geberländer die Unterstützung für Überlebende wieder aufnehmen und ausbauen, einschließlich der Bereitstellung von Ressourcen für ganzheitliche Betreuung, rechtliche Hilfe und Reintegrationsprogramme. 

Der Bericht auf Englisch ist bei Human Rights Watch erschienen. 

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