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Bericht der International Crisis Group: Ein schwer erreichbarer Frieden in der Region der Großen Seen
Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild von der Lage in der östlichen DR Kongo und der Region der Großen Seen Ende 2025. Trotz intensiver und paralleler Friedensverhandlungen zwischen der kongolesischen Regierung, Ruanda und der Rebellengruppe M23 hält die Gewalt weiterhin an und hat sich vielerorts sogar ausgeweitet. Die Offensive der M23 seit ihrer Wiederauferstehung 2021, unterstützt durch Ruanda, hat zu einer der gravierendsten Eskalationen in der Region seit Jahrzehnten geführt. Dies zeigt sich besonders durch die Einnahme strategisch wichtiger Städte wie Goma und Bukavu, was die Macht der Rebellen massiv ausgebaut hat und den Staatssicherheitsapparat der DR Kongo vor ernste Probleme stellt.
Washington und Doha sind wichtige Vermittlungsorte, an denen Staatsvertreter von Ruanda und der DR Kongo Abkommen unterzeichnet haben – einschließlich Rahmenvereinbarungen über einen dauerhaften Waffenstillstand. Parallel dazu stehen direkte Gespräche zwischen der kongolesischen Regierung und der AFC/M23 unter der Schirmherrschaft Katars. Diese Gespräche haben zwar formale Vereinbarungen hervorgebracht, doch gibt es eine deutlich spürbare Diskrepanz zwischen diplomatischen Fortschritten und der Realität auf dem Boden, wo Kämpfe weitergehen und jede Seite ihre militärischen Kapazitäten aufrüstet.
Ein wichtiges Problem, das aus dem Bericht hervorgeht, ist das Missverhältnis von Machtverhältnissen. Die M23 und ihre Unterstützer verfügen über eine relativ gut ausgerüstete und koordinierte Streitmacht, während die kongolesische Armee und ihre Verbündeten – einschließlich der Wazalendo-Milizen – eher schlecht koordiniert und bescheiden ausgerüstet sind. Dieses Ungleichgewicht hat wiederholt dazu geführt, dass die M23 Geländegewinne erzielen konnten und staatliche Truppen sich zurückzogen.
Außerdem hebt der Bericht hervor, dass die Motive der Konfliktparteien oft über die militärischen Auseinandersetzungen hinausgehen. Während die M23 erklärt, sie kämpfe für die Interessen bestimmter Bevölkerungsgruppen oder politische Reformen, deuten Beobachter:innen darauf hin, dass auch strategische Interessen wie Kontrolle über die reichen natürlichen Ressourcen im Osten der DR Kongo (Mineralien wie Coltan, Gold, Zinn u. a.) und Einflussgewinne in der Region eine Rolle spielen. Die Rolle Ruandas wird dabei als wesentlich, aber politisch umstritten beschrieben – Kigali bestreitet formell direkte Kontrolle über die M23, doch internationale Vermittler:innen und UN-Quellen sehen eine enge Verbindung und Einflussnahme.
Humanitär hat der Konflikt verheerende Folgen: Millionen Menschen sind seit Beginn der Offensive vertrieben worden, viele Regionen sind humanitär am Limit, und die weltweiten Hilfsanstrengungen geraten durch die anhaltenden Kämpfe und logistischen Hindernisse zunehmend unter Druck.
Der Bericht ist auf Englisch bei der International Crisis Group erschienen.