ÖNZ Trauert um Floribert Chebeya
4. Juni 2010
Das Ökumenische Netz Zentralafrika bedauert den gewaltsamen Tod Floribert Chebeya Bihazires zutiefst. Der international bekannte kongolesische Menschenrechtsaktivist und Direktor der Menschenrechtsorganisation „La Voix des Sans-Voix“ (VSV), sowie Sekretär des kongolesischen Dachverbandes der Menschenrechtsorganisationen RENADHOC ist unter bisher ungeklärten Umständen ums Leben gekommen und in seinem Auto aufgefunden worden.
Am 1. Juni sollte er einen Termin bei John Numbi, dem Generalinspektor der Polizei in Kinshasa, wahrnehmen. Ob dieser Termin stattfand, ist bislang nicht geklärt. Seitdem galt er als verschwunden und seine Familie konnte ihn telefonisch nicht mehr erreichen.
Nach Polizeiangaben wurde der leblosen Körper Chebeyas am Mittwoch in einem Vorort Kinshasas gefunden.
Erst im Laufe des 3. Juni erhielt der stellvertretende Direktor von VSV, Dolly Ibefo Mbunga gemeinsam mit einem Vertreter der MONUC die Erlaubnis, den Leichnam des Ermordeten im Krankenhaus l'Hôpital Général de Référence de Kinshasa zu identifizieren. Sie konnten Blutspuren an Nase, Mund und Augen feststellen, die auf eine Strangulierung schließen lassen. Zudem bemerkten sie Schwellungen an den Handgelenken, die von Handschellen herrühren könnten.
Floribert Chebeya war seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation „La Voix des Sans Voix“ und geriet aufgrund seines Engagements für die Menschenrechte immer wieder ins Visier der Polizei und der staatlichen Behörden. Seine letzte Festnahme erfolgte im März 2009.
Das ÖNZ war mit Floribert Chebeya eng verbunden. Im Dezember 2009 begleiteten ihn Mitarbeiter des ÖNZ zu einer Veranstaltung am Sitz des UN-Menschenrechtsrats in Genf und luden ihn nach Berlin ein, wo er die grundlegenden Probleme der Menschenrechtslage in der DR Kongo darlegte. Zuletzt hatten die Ko-Kreis-Mitglieder des ÖNZ Gelegenheit, Floribert während einer Reise nach Kinshasa im März 2010 in seinen Büroräumen zu treffen.
Dabei schilderte er die öffentlich bekannte Kritik seiner Organisation an den 50-jährigen Feierlichkeiten der Unabhängigkeit des Kongo. Dieses Datum sei kein Grund zum Feiern, solange nach wie vor Tausende Menschen in bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen im Osten des Landes von Milizen wie auch der kongolesischen Armee FARDC verstümmelt und umgebracht werden und grundlegende Menschenrechte nur auf dem Papier existieren. Er war sich des hohen Risikos seines Einsatzes stets bewusst, scheute sich dennoch nicht, die kongolesische Regierung mit Missständen wie Korruption und strukturelle Straflosigkeit zu konfrontieren.
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Das ÖNZ spricht der Familie Floriberts Chebeyas und seinen Kollegen bei VSV und RENADHOC sein tiefstes Mitgefühl aus und fordert die Behörden in der DR Kongo auf, das Schicksal von Fidèle Bazana Edadi rasch aufzuklären, sowie unverzüglich eine unabhängige internationale Untersuchungskommission zum Tod Floribert Chebeyas einzusetzen und ein Justizverfahren gegen die Täter einzuleiten. Die Zunahme der Einschüchterungen gegen Menschenrechtsverteidiger, besonders Medienvertreter ist seit 2009 unübersehbar. Wir fordern die kongolesischen Behörden dazu auf, die UN-Guidelines für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern strikt zu beachten.
