50. Jahrestag der Ermordung Patrice Lumumbas
17. Januar 2011
Das ÖNZ gedenkt heute der Ermordung des ersten Ministerpräsidenten des Kongo, Patrice Lumumba.
1958 war er einer der Gründer der Partei Mouvement National Congolais, die sich als einzige Partei des Kongo in sämtlichen Landesteilen verankern konnte und für die Unabhängigkeit des Kongo eintrat. Die ersten Parlamentswahlen vom 25. Mai 1960 konnte der MNC gewinnen. Nach der Unabhängigkeit von Belgien am 30. Juni 1960 wurde Lumumba Ministerpräsident und war damit Konflikten mit den verbliebenen weißen Siedler und der Wirtschaftsvertretern des rohstoffreichen Landes ausgesetzt. Während die ehemalige Kolonialmacht Belgien vor allem wirtschaftliche Interessen an der Provinz Katanga hatte und sich von den lukrativen Einnahmen aus dem Mineralienhandel nicht lösen wollte, befürchteten die USA in Zeiten des kalten Krieges ein „Überlaufen“ des Kongo auf Seiten des kommunistischen Ostblocks. Kongolesische Geschäftsleute und konkurrierende Politiker fürchteten um den Zugang zu den reichen Einnahmequellen in Katanga und kritisierten Lumumbas Versuche, die alle Staatseinnahmen sozialen Zwecken zuzuführen. Nach nur sechs Monaten im Amt wurde Lumumba von Milizen aus den Reihen des Konkurrenten und späteren Diktators Mobutu festgenommen, per Flugzeug nach Katanga deportiert und dort mit seine Gefolgsleuten Okito und Mpolo gefoltert und erschossen.
Aus der Rede Patrice Lumumbas anlässlich der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am 30. 6. 1960:
„Wir beenden die[...] erniedrigende Sklaverei, die uns mit Gewalt auferlegt wurde. [...] Wir haben zermürbende Arbeit kennengelernt und mussten sie für einen Lohn erbringen, der es uns nicht gestattete, den Hunger zu vertreiben, uns zu kleiden oder in anständigen Verhältnissen zu wohnen oder unsere Kinder als geliebte Wesen großzuziehen. [...] Wir kennen Spott, Beleidigungen, Schläge, die morgens, mittags und nachts unablässig ausgeteilt wurden, weil wir Neger waren. [...] Wir haben erlebt, wie unser Land im Namen von angeblich rechtmäßigen Gesetzen aufgeteilt wurde, die tatsächlich nur besagen, dass das Recht mit dem Stärkeren ist. [...] Wir werden die Massaker nicht vergessen, in denen so viele umgekommen sind, und ebenso wenig die Zellen, in die jene geworfen wurden, die sich einem Regime der Unterdrückung und Ausbeutung nicht unterwerfen wollten.“
Einen weiteren biographischen Artikel finden Sie in der ZEIT
